Kultur- und Friedensfest 2015_2In Deutschland wähnte man sich bislang auf einem guten Weg, was die Senkung der Reproduktionsrate von COVID-19 angeht. Das wurde nicht zuletzt der Disziplin der Bürger während des seit 23. März geltenden Lockdowns zugeschrieben. Eine neue Studie von Prof. Dr. Marc Oliver Rieger von der Universität Trier und Prof. Dr. Mei Wang von der WHU – Otto Beisheim School of Management weist in eine andere Richtung: Demnach begeben sich die Bürger trotz geltender Beschränkungen zunehmend öfter aus unterschiedlichen Gründen nach draußen und erhöhen damit vielerorts wieder das Infektionsrisiko.

Für ihre Studie „Heimliche Erosion des „Lockdown“? - Muster im alltäglichen Verhalten während der SARS-Cov2 Pandemie weltweit“ bedienten sich Prof. Rieger und Prof. Wang dreier unterschiedlicher Datengrundlagen: des Apple Maps Mobility Trends Reports, des Google COVID-19 Community Mobility Reports und Daten aus einer weltweiten Online-Umfrage mit mehr als 100.000 Teilnehmern. Die Daten von Apple und Google erlauben dabei anonymisierte Rückschlüsse auf sich ändernde Bewegungsmuster, während die weltweite Umfrage Informationen zum Bewegungsverhalten der Bürger aus erster Hand liefert. Für ihre Untersuchungen konzentrierten Rieger und Wang sich auf das Verhalten der Bevölkerung in Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und den USA im März und April – der Zeitraum, in dem mit etwas zeitlicher Verzögerung überall der Lockdown beschlossen wurde, sowie die darauffolgenden Wochen.

In allen Ländern einheitlich ist zunächst der durch den Lockdown und die damit einhergehenden Ausgangsbeschränkungen verursachte starke Rückgang der Bewegungen im öffentlichen Raum – sei dies beim Autofahren, Zufußgehen oder bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Damit zeigten die Maßnahmen der Regierungen zunächst Wirkung.

Die Zahlen für Deutschland zeichnen für die Wochen nach dem 23. März (Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen) jedoch ein anderes Bild. So kommt die Studie von Prof. Rieger und Prof. Wang zu dem Ergebnis, dass seit April die Bürger sukzessive wieder vermehrt Aktivitäten außerhalb des Hauses nachgehen und die Absicht dazu auch stärker bekundeten, auch wenn sich an der Rechtslage zunächst noch nichts geändert hatte. Denn einkaufen zu gehen oder mit dem Hund hinaus zu gehen, war bereits mit Beginn der Corona-Maßnahmen erlaubt. Auffällig ist, dass in Deutschland die Befragten deutlich häufiger die Absicht äußern einkaufen zu gehen, als beispielsweise in Frankreich.

Die Untersuchungen der Studie legen nahe, dass die Konsequenz bei der Einhaltung des Lockdowns von Woche zu Woche erodiert. Dieser Effekt muss bei der Modellierung der Entwicklung der weiteren Epidemie berücksichtigt werden. Bei den Motiven zum Verlassen des Hauses gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Ländern und Regionen. Abhängig davon können verschiedene Maßnahmen effizienter sein. Die von Rieger und Wang verwendete Methodik ist daher nützlich für die Ergebniskontrolle und eventuelle Anpassung von Maßnahmen, um die COVID-19-Epidemien unter Kontrolle zu halten.

Quelle: WHU - Otto Beisheim School of Management

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