Das Verfahren von Helene Dörksen kann männlichen Küken das Leben retten.Jedes Jahr sterben fast 50 Millionen männliche Küken in Deutschland, weil sie das falsche Geschlecht haben. Die Wissenschaftlerin Helene Dörksen vom Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) hat in Kooperation mit der Hochschule Coburg eine schnelle Methode entwickelt, um das Geschlecht der Küken vor dem Schlüpfen zu bestimmen.
Männliche Küken legen keine Eier und setzen weniger Fett an. Deshalb sind sie für die Geflügelwirtschaft unbrauchbar und landen im Schredder. So sterben jedes Jahr knapp 50 Millionen männliche Küken. Forscher sind deshalb schon lange auf der Suche nach einer Methode, um das Geschlecht der Küken schon im Ei zu bestimmen. Einem Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Instituts für industrielle Informationstechnik an der TH OWL und der Hochschule Coburg ist das jetzt gelungen.
Bild: Das Verfahren von Helene Dörksen kann männlichen Küken das Leben retten. (inIT)
„Im Ei entstehen unterschiedliche Hormone bei männlichen und weiblichen Küken, die leuchten wir durch ein winziges Loch in der Eischale mit einem Laser an. Anhand des Lichtes, das sie zurückwerfen, können wir das Geschlecht des Embryos im Ei bestimmen“, sagt Helene Dörksen, die im inIT als Professorin für Mathematik forscht. In der Wissenschaft heißt dieses Verfahren Fluoreszenzspektroskopie. Helene Dörksen ist es gelungen, aus den Messwerten der Tests ein System abzuleiten, das männliche Küken von weiblichen unterscheidet. Gemeinsam mit Ihrem Forschungskollegen, Jens Staufenbiel von der Hochschule Coburg hat sie die Methode als Patent angemeldet. Der entscheidende Vorteil gegenüber bereits bekannten Methoden: Die Fluoreszenzspektroskopie funktioniert schon bei 3 bis 6 Tage alten Hühnereiern, wobei die Messung durch die Eihaut erfolgt. „Bei anderen Verfahren muss das Ei komplett geöffnet werden, für unser Verfahren brauchen wir lediglich ein ca. 2mm großes Loch in der Kalkschale. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Embryo im Ei zu diesem frühen Zeitpunkt noch kein Schmerzempfinden hat“, erklärt Jens Staufenbiel.
Noch ist das massenhafte Töten von männlichen Küken in Deutschland erlaubt. Bis es neue, wirtschaftliche Verfahren gibt, um das Geschlecht im Hühnerei zu bestimmen, hat das Bundesverwaltungsgericht im Mai 2019 entschieden. Das neue Verfahren könnte ein Durchbruch für Tierschützerinnen und Tierschützer sein, die seit langem ein Verbot des Tötens fordern.

Ein auf dem Verfahren abgestimmter Prototyp soll möglichst bald zu einer marktreifen Maschine entwickelt werden, welche flächendeckend von den Betrieben genutzt werden soll. Zwar sind die Anschaffungskosten mit 45.000€ relativ hoch, doch Professorin Helene Dörksen betont, dass nicht nur große landwirtschaftliche Betriebe davon profitieren müssen, sondern eine Anschaffung auch für kleinere Brütereien lohnenswert ist. „Die Maschine, die den Geschlechtertest durchführt, ist sehr mobil und robust. Mehrere kleine Betriebe könnten sich somit die Anschaffungskosten teilen und das Gerät reihum weitergeben. Das ist absolut kein Problem und es muss kein großer Aufwand dafür betrieben werden. Außerdem benötigt das Gerät wenig Platz und ist sehr einfach in der Bedienung. Wir haben hier im Kreis Lippe so viele kleine Betriebe, die damit noch tierwohlorientierter handeln könnten. Ein einfacher Zeit-/Tauschplan würde ausreichen, um gemeinsam von dem Gerät seinen Nutzen zu ziehen“, beschreibt Professorin Dörksen die Vorteile.

Auch Sebastian Horn, Junglandwirt aus Hörste, hat die Vorteile bereits erkannt und findet die Methode außerordentlich interessant. „Wenn die Küken nicht fachlich korrekt verworfen werden, dann ist es besser, wenn man sie bereits im Ei aussortiert“, stimmt er zu. Auch andere Unternehmen aus der Wirtschaft haben bereits Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet.

Quelle: Institut für industrielle Informationstechnik (inIT)

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